Noch größer – noch mehr Programm – noch mehr Spiele?
Bald geht es wieder los: Vom 22. bis 25. Oktober 2026 findet in Essen wieder die weltweit größte Publikumsmesse für Brettspiele statt. An den vier Messetagen werden ca. 240.000 Besucher erwartet.
Was ist neu auf der SPIEL 2026?
Zum ersten Mal werden für die SPIEL 2026 alle acht Hallen des Messegeländes genutzt werden. Damit entfällt zwar der überdachte Wartebereich vor dem Einlass, aber dafür wurde ein zusätzlicher Eingang „Nord“ geschaffen. Hoffentlich spielt das Wetter Ende Oktober mit, damit die üblichen Warteschlangen vor den Eingängen nicht buchstäblich im Regen stehen müssen …
Neu ist aber auch, dass es in diesem Jahr keine Tageskassen mehr gibt. Tickets gibt es nur noch online. Es gibt auch, wie schon im letzten Jahr, keine Dauerkarten mehr, sondern nur noch Tagestickets. Dies soll die Planungssicherheit für den Veranstalter, aber auch für die Besucher erhöhen.
Highlights der Messe
Ein Highlight ist das Partnerprogramm mit der Stadt Essen. Unter dem Motto „Essen spielt!“ gibt es in diesem Jahr jeden Messeabend Spieleabende an besonderen Locations, wie z.B. im Rathaus Essen auf der 22. Etage, im Red Dot Design Museum oder auf einem Schiff der Weißen Flotte auf dem Essener Baldeneysee.
Für Künstler der Brettspielszene wird der Golden Demon (Figuren-Bemalwettbewerb) erneut durchgeführt. Da besonders die Sammelkartenspiele zu boomen scheinen, wird dieser Themenbereich deutlich ausgebaut und bekommt sogar seine eigene Preisverleihung.
Die Hallenpläne lassen zudem vermuten, dass die großen Verlage immer größere Stände auf der Messe buchen. Man kann nur hoffen, dass auch noch genug kleinere Verlage es sich leisten können, mit einem Stand auf der Messe vertreten zu sein. Zu meinem großen Bedauern musste ich z.B. gerade erst erfahren, dass nach fast 30 Jahren die Spielezeitschrift „Spielerei“ zum ersten Mal nicht mehr mit einem Stand auf der Messe sein wird. Ich werde den Stand in Halle 3 vermissen.
Der Deutsche Spielepreis (DSP)
Beim Deutschen Spielepreis (DSP) handelt es sich um den großen Publikumspreis der SPIEL Essen, bei dem die Community selbst ihre Lieblingsspiele des Jahrgangs kürt – im Unterschied zur Jury-Auszeichnung „Spiel des Jahres“.
Die Abstimmung ist bereits gelaufen, zugelassen waren alle Brett- und Kartenspiele, die von Mai 2025 bis April 2026 auf deutsch erschienen sind.
Anfang September 2026 werden die Top 10 veröffentlicht. Die genaue Verteilung der Plätze 1 bis 3 bleibt dabei bis zur Siegerehrung auf der SPIEL-Pressekonferenz (am 21.10.2026) geheim.
Neuheiten 2026
Wirklich zu empfehlen ist die App zur Messe. Sie wird ebenfalls Anfang September verfügbar sein und ist ein unverzichtbares Hilfsmittel für den Messebesuch. Sie bietet die Möglichkeit, alle Neuheiten gut zu verwalten, zu sortieren, Infos zu finden und dann auf den Messeplänen auch gleich anzuzeigen, wo der passende Messestand ist.
Auch in diesem Jahr gibt es die Liste „SPIEL Essen 2026 Preview“ auf BoardGameGeek. Hier findet man eine Übersicht über die Spieleneuheiten, die auf der SPIEL Essen 2026 vorgestellt werden.
Aber Obacht: Diese Liste wird von Verlagen im Self-Service gepflegt und umfasst aktuell schon über 1000 Neuheiten (Ende August), wobei nicht alles echte Neuheiten sind. Leider haben sich auch ältere Titel in die Liste verirrt, dazu Neuauflagen, unterschiedliche Sprachversionen der Spiele, Spiele, die erst 2027 erscheinen oder Spiele, die evtl. nur als Demo zu sehen sind.
Spiele (nur) für Ingenieure?
Wie findet man also in diesen unzähligen Neuheiten überhaupt noch die Spiele, die man sich unbedingt ansehen sollte? Die folgenden Spiele (alphabetisch sortiert) haben mich neugierig gemacht, entweder weil sie ein technisches oder wissenschaftliches Thema haben, mich der Mechanismus angesprochen hat oder sie einfach gut zum Thema „Spiele für Ingenieure“ zu passen scheinen:
12 Rivers
(Autor: Romain Caterdjian, Verlag: Publisher Good Games Publishing bzw. Pegasus Spiele)
Das Spiel sieht aus wie eine Mischung aus Murmelbahn und dem Spiel „Wasserkraft“. Dargestellt sind 12 Quellflüsse, von denen farbige Murmeln (=Flusswasser) mit der Strömung die Flüsse herunterrollen und damit den unten gelegenen Dörfern Ressourcen bescheren.
Um schon früh bestimmte Kugeln abfangen zu können, können wir kleine Staudämme möglichst geschickt direkt in die 3D-Kugelbahnen einbauen. In den 5 Spielrunden zahlen wir unterschiedliche Ressourcen, um unsere Dämme zu platzieren. Weiter oben im Flußlauf ist es teurer, als flussabwärts seinen Damm zu bauen. Durch die kaskadenartige Zusammenführung der Flüsse hin zum finalen Strom bzw. See kann es aber auch zum überraschenden Tausch der Kugelreihenfolge kommen.
Ein Spiel mit hohem Aufforderungscharakter. Mal sehen, wie es mit dem Spielspaß auf Dauer ausschaut …
BIOlink: Gut vernetzt ist halb gefressen
(Autoren: Daniel Hitzing, Erik Robert, Verlag: Didact Games)
Uih, ein Spiel von Didact Games, macht neugierig, hört sich aber für mich auch gleich schon nach „pädagogischem Zeigefinger“ an. Auch die Beschreibung „Lernspiel rund um Nahrungsketten“ lässt als Hauptzielgruppe den Einsatz in der Schule vermuten. Aber das Thema findet ich schon sehr spannend: Wie hängen Pflanzen und Tiere in unserem Ökosystem zusammen?
Wir legen im Spiel (kooperativ oder kompetitiv) Tiere und Pflanzen vor uns aus, entdecken dabei ihre Nahrungsbeziehungen und verbinden sie so nach und nach zu einem Netz. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann enthält das Spiel zwei unterschiedliche Ökosysteme: den Waldrand und die Savanne.
Auf diese Weise sollen die ökologischen Zusammenhänge auf spielerische Weise sichtbar gemacht werden. Für die jüngeren Spielenden ist der Waldrand mit seinen bekannten Arten für den einfachen Einstieg gedacht. Für fortgeschrittene Spielrunden stehen weiterführende Aufgaben bereit, um das entstandene Nahrungsnetz auch auf komplexere ökologische Zusammenhänge oder Veränderungen hin zu testen.
Auch die Optik hat etwas von Biologie-Buch, aber sieht für mich durchaus ansprechend aus. Ich bin hier echt gespannt, was BIOlink spielerisch so kann. Taugt es was, dann fände ich es spannend, herauszufinden, ob sich das Spielprinzip auch auf das Thema „Technische Zusammenhänge“ übertragen lässt. Verschiedene Wirkprinzipien, Mechanismen und Kommunikationssyteme, die als komplexe Maschinen vernetzt zusammenwirken… Das wäre mal ein Spiel für Ingenieure!
Cat and the Tower
(Autor: Masakazu Takizawa, Verlag: ArsEdition)
Turmbau ist fester Bestandteil meiner Forscherkurse. Umso mehr machen mich Spiele neugierig, die sich dem Turmbau spielerisch annehmen. Hier soll einem Kater auf seinem Weg zur Turmspitze geholfen werden. So viel zur Hintergrundgeschichte. Kern des Spiels ist es aber, den Turm aus ungleich hohen Mauern zu errichten (Pappkarten) und dabei auch noch Geschicklichkeitsaufgaben zu lösen. Im Prinzip so eine Art aufgepimptes „Rhino Hero“, welches ich auch sehr gern in der Grundschule einsetze.
In jedem Zug wählt man entweder eine der verfügbaren Mauerkarten aus, um den Turm zu erweiteren, oder muss seine ruhige Hand beweisen, indem die Katzenfreunde des Katers positioniert werden.
Der Reiz des kooperativen Spiels entsteht durch den immer höher und gleichzeitig immer fragiler werdenden Turm, der jederzeit einzustürzen droht. Sieht klasse aus und erzeugt vermutlich auch viel Spielspaß.
Drillers
(Autoren: Adam Španěl, Říman, HeidelBÄR Games GmbH bzw. Czech Games Edition)
Mit futuristischen Roboterfahrzeugen (Mechs) eine verlassene Mine erkunden und dabei versuchen, wertvolle Rohstoffe, aber auch zurückgelassene Gegenstände der ehemaligen Bergbaugesellschaft einzusammeln, das holt mich thematisch schon sehr ab.
Das Ganze wird über ein geschickt zusammengestelltes Kartendeck gesteuert, wobei die Karten vielseitig einsetzbar sind und jedes Level der Mine neue Möglichkeiten und neue Herausforderungen mit sich bringt. Klar, dass man dabei auch seinen Treibstoffvorrat im Auge behalten muss und nicht den richtigen Zeitpunkt verpassen darf, sich wieder Richtung Oberfläche auf den Weg zu machen.
Thematisch holt mich das Spiel schon sehr ab, die Optik auch (hat deutliche „Arnak“-Vibes), und der Mechanismus erinnert stark an das von mir sehr geschätzte „Klong!“. Dieses Spiel habe ich bereits vorbestellt ;-) .
Kalypso
(Autor: Designer Gilles Turbide, Verlag: Inside Up Games bzw. Pegasus Spiele)
Waterworld – das Spiel? Ok, der Film ist schon gut 30 Jahre alt, aber wie hier im Spiel wurde auch damals die Welt von Wassermassen verschlungen. Nur wenige Menschen konnten sich retten, die jetzt versuchen, sich den Lebensbedingungen anzupassen und sich auf dem Meer eine neue Zukunft aufzubauen.
In diesem Legespiel versuchen wir, möglichst große Siedlungen aus Treibgut (auf mehreren Ebenen) zu bauen, wir können Überlebende aufnehmen und müssen den Wetterbedingungen trotzen. Klingt alles schon ziemlich spannend und kann wohl auch in verschiedenen Schwierigkeitsgraden sowie kooperativ, kompetitiv als auch solo gespielt werden.
Mal sehen, ob das ausgewählte Thema und die Mechaniken daraus ein spannendes Spiel machen. Auf der Messe letztes Jahr war schon ein Demo-Exemplar zu sehen. Damals hatten mich aber die „fimschigen“ Plättchen abgeschreckt. Jetzt bin ich auf die finale Version gespannt, zumal vom Verlag eine sog. „HoldFast-Technologie“ angekündigt wird, die dafür sorgen soll, dass Spielpläne und Plättchen rutschsicher stets an Ort und Stelle bleiben.
Mischwald – Smoky Mountains
(Autor: Kosch, Verlag: Lookout)
Und noch eine neue Version des Erfolgsspiels „Mischwald“. Die letzte Variante „Dartmoor“ habe ich ausgelassen, aber nun spricht mich doch die wunderschöne herbstliche Gestaltung der Smoky Mountains an.
Als eigenständiges Spiel führt diese Variante also in den beliebten nordamerikanischen Nationalpark. Ich hoffe, dass mich, aufbauend auf dem beliebten Spielprinzip, spannende neue Tier- und Pflanzenarten sowie neue Kniffe in der Spielmechanik erwarten. Neu ist auf jeden Fall, dass es sich nun auch viel um Gewässer dreht. Neben den Tieren und Pflanzen rund um das Wasser kommen auch neue Großtiere ins Spiel.
Wahrscheinlich nicht notwendig, noch eine Variante von Mischwald zu besitzen, aber hier werde ich allein schon durch das gewählte Thema und die grandiose grafische Umsetzung schwach.
MolΣcools
(Autor: Michiel de Wit, Verlag: HABA)
HABA sortiert man vielleicht direkt unter „Kinderspiel“ ein, aber der Verlag ist schon seit einiger Zeit dabei, auch Spiele für deutliche ältere Zielgruppen auf den Markt zu bringen.
Thematisch, als passendes Spiel für (angehende) Ingenieure, geht es um die winzigen Teilchen, aus denen alles im Universum besteht, hier genannt „MolΣcools“. In diesem Kartenspiel kombinieren wir die Elemente Luft, Wasser, Feuer, Erde, Elektrizität und Metall, um entsprechende Reaktionen auszulösen. Dazu manipulieren wir die nummerierten Elementkarten, indem wir Gruppen in kleinere Kombinationen aufteilen, Karten zu höheren Werten zusammenfügen und unsere Kartenhand auffüllen, um eine perfekte Sammlung aufzubauen.
Also, wer am besten spaltet, verbindet, auflädt und fusioniert, gewinnt das Spiel rund um die Beherrschung der Elementarkräfte.
Ein kleines Kartenspiel, das ich mir auf jeden Fall einmal anschauen werde.
Reactor Rescue
(Autoren: Fiona Shehu Lohaj, Arta Shehu Zaimi, Verlag: Publisher HaPe International, Labbox, über Kickstarter)
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dieses Spiel wirklich auf der Messe in Essen zu sehen sein wird, aber auf der BGG-Liste ist es zumindest gelistet. Da es per Crowdfunding finanziert wird, ist zudem fraglich, ob es auch eine normal käufliche Variante geben wird.
Aber thematisch ist es ein Volltreffer für diese Rubrik hier: Im Spiel schlüpfen wir in die Rolle von Ingenieuren, deren Raumschiffe auf dem Weg zur Reparatur eines ausfallenden Reaktors eine Panne erlitten haben. Um die notwendigen Reparaturen durchzuführen, müssen wir Karten mit elektronischen Bauteilen sammeln, die elektronische Teile wie LEDs, Summer, Schalter, Motoren, Sensoren usw. darstellen. Aus diesen Teilen werden dann mittels echter (!) modularer Bausteine tatsächlich funktionierende Schaltkreise aufgebaut. Der Erste, der alle Reparaturen an den Schaltkreisen seines Fahrzeugs abgeschlossen hat, gewinnt das Spiel.
Diese Kombination von Brettspiel und Elektronik-Experimentierkasten macht neugierig. Auf jeden Fall reizvoll, selbst wenn ich später nur die Komponenten des Spiels in meinen Forscherkursen einsetzen kann.
Reforest
(Autor: Sébastien Bernier-Wong, Verlag: Board Game Circus bzw. Partner: Envy Born Games)
Ein Naturthema und dann eine geschickt kombinierte Auslage vor uns, die die meisten Synergieeffekte und damit auch die meisten Punkte verspricht, das klingt nach einer Kreuzung aus „Flügelschlag, „Mischwald“ und „Ökosystem“. Hier allerdings in der Optik eines Natur-Bestimmungsbuches.
Da mir die gerade genannten geistigen Spieleltern aber sehr gefallen, ist die Neugierde auch hier geweckt – naturwissenschaftliche Themen gehen immer, siehe oben „BIOlink“. Mit diesem Kartenspiel wollen wir also ein gesundes Waldökosystem erschaffen. Die Pflanzen in der Auslage werden so kombiniert, dass ihre Effekte und Wertungsbedingungen optimal genutzt werden.
Das Besondere hier: wir können die Karten nicht nur nebeneinander auslegen, sondern auch stapeln.
Wir spielen zudem auch nicht solitär vor uns hin, sondern konkurrieren mit den Mitspielenden um die Gunst der Waldtiere. Das handliche Spiel lässt sich wohl aber auch gut solo spielen.
Das Spiel der Vögel
(Autoren: Michael Rieneck und Jackie Morris, Verlag: KOSMOS)
Ja, hört das denn mit diesen Natur-Kombinationsspielen überhaupt nicht mehr auf …? Auch Kosmos springt hier auf den wohl verkaufserfolg-versprechenden Zug auf und bietet ein Kartenspiel an, das ebenfalls auf naturalistisch gezeichnete Tiere (hier: Vögel) im Biologiebuch-Stil setzt.
Viel lässt sich leider noch nicht zu dem Spiel finden, aber durch Würfelwurf lassen sich wohl die Möglichkeiten der Auslage verändern. Man kann Vogelkarten in der eigenen Auslage sammeln, um Eigenschaften wie Gesang, Nest oder Flugkünste zu vereinen. Mehrere Vögel derselben Art stärken den eigenen Lebensraum und bringen zusätzliche Auszeichnungen.
Meine Neugierde ist geweckt und ich bin gespannt, herauszufinden, ob hier etwas Neues geboten wird.
Weitere interessante Spiele
Näher anschauen werde ich mir u.a. noch:
- -60° (DLP/Nanox)
- Azul Kids (Asmodee/Space Cow)
- Batman: Gotham City Crimes (Kosmos)
- Clash of Clans: Der epische Überfall (Pegasus)
- Pets on Mars (HABA)
- Pioniere der Lüfte (Schwerkraft)
- Tinctura (Skellig)
sowie die internationalen Titel:
- Borealis: Arctic Expeditions (Lucky Duck Games)
- Carpet Racers (Pink Troubadour)
- Dino Racer (Underdog Games)
- Lairs, inkl. Adventurer’s Pack (KTBG)
- Mech vs Minions: Bandle City Edition (Incredible Dream Studios)
- Minigolf Designer (Thematic Games/Bnw Distribution)
- Star Trek: Space Hunt (Matagot)
Die Liste der hier genannten Spiele (für Ingenieure) wird bis zur Messe im Oktober ständig erweitert.
