Kennerspiel des Jahres 2026

Gewinner: Rebirth

Irgendwie hatte ich schon damit gerechnet, dass die Jury das Brettspiel REBIRTH (Autor: Reiner Knizia, Illustration: Anna Przybylska und Kate Redesiuk, Verlag:Frosted Games bzw. Mighty Boards) zum Kennerspiel des Jahres 2026 kürt.

Brettspielsituation von Rebirth
Rebirth – Foto: C. Krause

Das Thema und die Aufmachung hören sich schon sehr nach einem passenden „Spiel für Ingenieure“ an: Das postapokalyptische Schottland soll nach einer Katastrophe mit nachhaltiger Energiegewinnung wieder aufgebaut werden. Wir Spielenden übernehmen die Rolle von Clanoberhäuptern und konkurrieren beim Wiederaufbau um die Kontrolle des Landes.

Das war es thematisch aber schon. Vor uns liegt „nur“ ein taktisches Legespiel, bei dem wir versuchen, Mehrheiten in Gebieten durch geschicktes Plazieren unserer Landschaftsplättchen zu gewinnen. Thema ist eigentlich beliebig.

Ok, es gibt zwei Spielplanseiten (Schottland und Irland), die sich aber nur durch die Zielvorgaben (zufällige Auswahl bzw. Planbarkeit) unterscheiden. In dem also eher abstrakten Spiel gibt es jede Menge kleine Entscheidungen zu fällen. Die Regeln sind dabei überschaubar, ermöglichen aber eine schöne taktische Tiefe.

Den Namen Rebirth kann man auch auf andere Weise verstehen, denn das Spiel hat eine große spielerische Nähe zu Knizias alten Spiel Samurai (1998). Mechanismen immer wieder neu rauszubringen ist schon auffällig bei Knizia, aber auch irgendwie nicht verwunderlich bei der großen Zahl an Spielen, die er jedes Jahr veröffentlicht.

Bossfighter QR: Brettspiel sucht Tablet

Zumindest ins Finale hatte es auch das Spiel „BOSS FIGHTERS QR“ (Autoren: Michael Palm und Lukas Zach, Illustration: Bartłomiej Kordowski und Maximilian Jasionowski, Pegasus Spiele) geschafft.

So ganz verstehe ich die Idee nicht, ein analoges Brettspiel mit dem Computer zu verbinden. Warum dann nicht gleich am PC spielen? Geht es nur darum, digitale Gamer wieder weg vom Smartphone oder Rechner an den Tisch zu bekommen?

Nun gut, Bossfighter QR ist also ein hybrides Kartenspiel. Wir Spielenden scannen QR-Codes auf unseren Karten und die App steuert die Reaktionen der gegnerischen App-Bosse. Wir spielen kooperativ und kämpfen mit individuellen Helden-Decks gegen unterschiedliche Bosse mit einzigartigen Fähigkeiten und verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Vorteil: Mit der Verbindung aus Kartenhaptik und App machen auch komplexere Kämpfe Spaß und man spart sich ein lästiges Tabellen-Nachschlagen („wer macht nochmal wann welchen Schaden“). Die digitale Umsetzung ermöglicht zudem Zufallsmechaniken und durch nachgelieferte Bosse auch sicher Langzeitspaß bzw. Wiederspielreiz. Gemeinsam gilt es, eine hoffentlich erfolgreiche Taktik zu finden, um den jeweiligen gegnerischen Boss zu erledigen.

Ich muss gestehen, ich habe Spiele im Schrank, die sind noch aus Zeiten vor dem Jahr 2000 – und ich kann sie immer noch problemlos spielen. Bei einem App-abhängigen Spiel kann ich nur hoffen, dass die App auch noch in ein paar Jahren unterstützt und gepflegt wird. Sonst bleibt nur ein Haufen Pappe in großer Schachtel.

Überleben auf dem Mond

Und dann war auch noch das Brettspiel „MOON COLONY BLOODBATH“ (Autor: Donald X. Vaccarino, Illustration: Franz Vohwinkel, Verlag: Alea) in der Endrunde als Kandidat für das Kennerspiel des Jahres 2026. Das hört sich thematisch doch schon eher nach einem echten „Spiel für Ingenieure“ an.

Spielsituation des Brettspiels Moon Colony Bloodbath
Moon Colony Bloodbath – Foto: C. Krause

Natürlich zieht hier erstmal der Name des Autors. Schließlich stammt aus der Feder von Donald X. Vaccarino auch das preisgekrönte Spiel Dominion, praktisch der Urknall des Deckbuildings in Brettspielen.

In Moon Colony Bloodbath bauen die Spielenden mittels gemeinsamen Deckbuildings erstmal eine Mondkolonie auf bzw. aus, um Geld, Nahrung und Einwohner zu mehren. Der besondere Clou ist dann aber der dramatische Abbau durch unerwartete Katastrophen. Die Karten im Deck lösen Arbeitsphasen aus und Twist- und Problemkarten sorgen für Chaos wie Roboter-Fehlfunktionen oder Unfälle.

Dieser Übergang von anfänglicher Utopie (Minen, Hotel, Nahrungserzeugung) zur dann folgenden unvermeidlichen Destruktion, die alle Pläne zunichte macht, ist schon eine äußerst ungewöhnliche Spielerfahrung. Wer sich auf dieses durchaus makabere Thema einlässt, hat in der richtigen Spielerunde sehr viel Spielspaß. Ach ja, Gewinner ist, wer am Ende noch (die meisten) Überlebende hat….

Ein ungewöhnliches Thema mit reizvollem Kniff: vom Ausbau zum unausweichlichen Untergang durch verrücktspielende Roboter. Passend illustriert in einem Grafikstil mit Vibes aus den 70-er Jahren. Mich erinnern die Zeichnungen an meine alten „Was-ist-Was“-Bücher.

Weitere Spieleempfehlungen zum Kennerspiel 2026

Zu anderen Spielen auf der Empfehlungsliste für das Kennerspiel des Jahres 2026 habe ich schon nach der Messe Essen 2025 ein paar Zeilen geschrieben:

Artengarten

Grundstein von Metropolis

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