Am Sonntag, den 12. Juli 2026, war es wieder soweit: In Berlin wurden das Spiel des Jahres, das Kennerspiel des Jahres und das Kinderspiel des Jahres 2026 im Rahmen der offiziellen Preisverleihung verkündet.
Welche Spiele standen im Finale für das Spiel des Jahres 2026?Ich muss vorab gestehen, so richtig aus den Schuhen gehauen (hier mit der Blickrichtung „Spiele für Ingenieure“) hat mich keiner der Finalisten … Und in meinen Einkaufskorb hatte es bisher auch nur DITO! geschafft.
COZY STICKER VILLE von Corey Konieczka (Verlag Unexpected Games), Illustrationen von u.a. Jonathan Aucomte und Giulia Calistro.
Der Name des Spiel verrät eigentlich schon alles: Entspannt und kooperativ soll hier ein Dorf aufgebaut werden, indem über viele Runden gemeinsam eine kleine Welt gestaltet wird. Dafür werden viele – sehr viele – kleine und große Aufkleber auf die Landschaftskarte geklebt. Jeder Sticker steht für Fortschritt und verlangt Entscheidungen, die beeinflussen, welche Gebäude, Personen und Geschichten später auftauchen können.
Das Stickerheft reicht dabei für 2 komplette Durchläufe á 10 Runden. Danach ist das Spielmaterial leider verbraucht und unspielbar.
Warum das Spiel für uns nichts ist: Idealerweise spielt man einen kompletten Durchlauf in der immer gleichen Spielerunde, also z.B. in der Familie mit Kindern. Das bedeutet, dass eine ganze Weile immer das gleiche Spiel auf den Tisch kommt. Das klappt bei uns leider so gut wie nie, und damit haben es Legacy-Spiele bei uns leider schwer.
Wie auch schon bei den Exit-Spielen von Kosmos finde ich „Einmal-Spiele“ bzw. „Wegwerf-Spiele“ wenig sinnvoll. Besser finde ich hier Lösungen, um ein durchgespieltes Exemplar an andere Gruppen weitergeben zu können. Klar, der Verlag & Co. verdienen dann natürlich nichts mehr dran …
MORTY SORTY MAGIC SHOP von Markus Slawitscheck (Verlag Schmidt Spiele), Illustration von David Cochard.
Irgendwie unauffällig kam das Spiel auf den Markt. Eine nette Grafik und ein eher unaufgeregter Sortiermechanimus. Die Spielenden ziehen aus einem Sack zufällig Zutatengläser mit unterschiedlichen Zahlenwerten, Inhalten und Deckelfarben. Diese Gläser gilt es dann nach Zahlenwert aufsteigend in die Regale zu packen und durch Kombinationen und Bedingungen zusätzliche Wertungen, Kettenreaktionen oder Bonuspunkte auszulösen. Leider ist hier nichts dabei, was bei mir großes Interesse auslöst. Auch, dass es einen zweiseitigen Spielplan, verschiedene Abzeichen und vielfältige Wertungsrollen in immer neuen Kombinationen gibt, reißt hier leider nichts raus.
DITO! von Martin Ang (Verlag Game Factory), Illustration von Stephanus Adrian.
Angespielt haben wir Dito! auf der Messe Spiel Doch und dann auch gleich mitgenommen. Ok, es ist wieder mal so ein typisches Wortassoziationsspiel – hier für bis zu 7 Personen. Wir Spielenden notieren in einem 3×3-Raster unsere Begriffe zu gezogenen Kategorien und sammeln Punkte, wenn unsere Antworten mit denen anderer übereinstimmen. Dabei kann ich auch versuchen, Bonuspunkte durch geschicktes Eintragen meiner Begriffe abzustauben.
Der Clou aber sind hier die wirklich sehr kreativen Kategorien und der Spielspaß, der entsteht, wenn es zur Auflösung kommt. Wenn die Gruppe entdeckt, wer ähnliche oder einzigartige Assoziationen hatte, dann sind überraschende Momente und sehr viel Lachen vorprogrammiert. Einzig die wegwischbaren Stifte und das Reinigen der Tafeln trüben ein wenig den Spielspaß. Ein bereitgelegter feuchter Lappen hilft hier aber.
Auch ein ideales Kennenlernspiel z.B. für eine Seminarrunde oder in der Schule.

Chaotisches Wettlauf-“Programmieren“
Von den weiteren Empfehlungen, die es leider nicht ins Finale für das Spiel des Jahres geschafft haben, gefällt uns gut das Spiel Hot Streak von Jon Perry (Strohmann Games bzw. CMYK).
Wie auch Dito! ist dieses Wettrennspiel ideal für Gruppen, die Spaß an Chaos und spontanen Reaktionen haben. Ein Wettmechanimus über 3 Runden ist kombiniert mit minimaler Kontrolle über das Renngeschehen ;-).
Ok, man kann versuchen, durch eigene Karten das Rennen ein wenig zu beeinflussen. Aber der besondere Spielspaß entsteht durch unvorhersehbare Rennszenen (Stolpern, Umdrehen, Rempeleien), die für lautes Mitfiebern und Schadenfreude sorgen. Mega-Spaß, alberne Gestaltung der Rennfiguren (Maskottchen) und eine der kreativsten Spielflächen, die es je gab. Ein Spiel für Ingenieure, bei dem so mancher Plan ordentlich nach hinten losgeht.
Das Spiel des Jahres 2026
Frisch verkündet dann gestern der Siegertitel für das Spiel des Jahres 2026: Gewonnen hat DITO!.
