Buchrezension: Geniale Experimente

Zwillinge? Foto: C. Krause

Meine erste Rezension beschäftigte sich damals mit einem Experimentebuch von Joachim Hecker, das ich auch heute noch sehr gern weiterempfehle. Später hatte ich sogar einmal das Vergnügen, ihn persönlich kennen zu lernen, da wir beide im Deutschen Museum in Bonn im gleichen Kinderprogramm aufgetreten sind.
Nun habe ich unter dem Label „Kinderbrockhaus“ ein neues Buch (von 2013) von ihm gefunden, das mich doch sehr stark an die beiden Bücher „Experimente“ und „Noch mehr Experimente“ erinnert. Dank unserer hervorragend sortierten Stadtbücherei vor Ort musste ich dieses Mal auch kein Geld ausgeben. Die Erfahrungen mit dem „Etikettenschwindel“ bei Buchtiteln wirken immer noch nach…
Heute also geht es um das Buch:

Geniale Experimente
– Naturwissenschaften zum Ausprobieren –
Der Kinder Brockhaus
von Joachim Hecker
175 Seiten
ISBN 978-3-577-07340-0
ca. 30.- EUR

Wieder alter Wein in neuen Schläuchen?
Ja, leider. Die Inhalte sind zum größten Teil aus dem Buch „Noch mehr Experimente“ entnommen, wobei mir nur die Auflage von 2007 vorliegt (ISBN 978-3-7653-3211-1). 64 von den 74 beschriebenen Experimenten stimmen exakt überein. Die Texte sind gleich, die Skizzen sind gleich und die Rubriken sind gleich. Selbst die Reihenfolge der Experimente wurde beibehalten. Lediglich das Layout wurde verändert und die Beispielfotos in der Rubrik „Wo kommt das vor?“ ausgetauscht.
Ürigens sind leider auch die sechs Themen-Doppelseiten nur eine Wiederholung aus dem anderen Buch.

Was ist neu?
Neu ist die gezeichnete Figur des „Prof. Hein Stein“, der die Experimente mit einigen Sprüchen kommentiert. Inhaltlich aber ohne Bedeutung. Neu sind auch zehn Experimente, von denen drei auch schon im Vorwort erwähnt werden.
Im Detail sind es:

  • Ess-Folie zum Selbermachen (Seite 24)
  • DNA-Bauanleitung im Wasserglas (Seite 30)
  • Wie schnell ist das Licht (Seite 50)
  • Echt chaotisch: Chaostheorie (Seite 66)
  • Spaßbremse – Wirbelstrombremse aus Alu (Seite 84)
  • Dosenkarussel (neue Version des alten Mikrowellenkarussels, Seite 90)
  • Röntgenblick mit Infrarot (Seite 126)
  • Kleinste Pilzfarm der Welt (Seite 146)
  • Computermaus (Seite 154)
  • Teilen will gelernt sein (Seite 162)

Zusammenfassung/Bewertung
Da das Buch und der Inhalt gute Bekannte sind, geht es gleich in die Bewertung:

Materialaufwand: 5 von 5 Punkten
Die Experimente sind im Regelfall alle mit haushaltsüblichen Mitteln realisierbar.
Die „Zutaten“ sind in der Rubrik „Was brauchst Du?“ sehr übersichtlich aufgeführt.

Versuchsbeschreibung: 4 von 5 Punkten
Unter der Überschrift „Wie wird der Versuch aufgebaut?“ findet sich immer eine ausführliche Anleitung. Die Schriftart und der absatzlose Text ist allerdings nicht so gut lesbar. Daher ein Punkt Abzug.

Praxistauglichkeit: 5 von 5 Punkten
Die allermeisten der Versuche klappen problemlos und sind für Kinder gut zu realisieren.

Erklärung: 5 von 5 Puntken
Unter den Überschriften „Was passiert?“ und „Warum ist das so?“ wird kindgerecht erläutert, warum das Experiment das entsprechende Ergebnis hat. Gerade bei den neuen Experimenten bzgl. DNA und Lichtgeschwindigkeit glaube ich allerdings nicht, dass Grundschüler den fachlichen Hintergrund erfassen können. Da schleicht sich sogar mal eine mathematische Formel ein.

Grafik/Fotos: 5 von 5 Punkten
Tolle Zeichnungen, die insbesondere oft Schritt für Schritt den Versuchsablauf gut illustrieren. Nette Fotos ergänzen insbesondere die Rubrik „Wo kommt das vor?“

Alltagsbezug: 5 von 5 Punkten
Damit sind wir auch gleich bei dem Punkt angelangt, den ich in dieser Qualität bei Joachim Hecker immer besonders schätze. Wunderbar stellt er den Alltagsbezug her und unterlegt die Erklärungen mit passenden Beispielen und interessanten Details.

Originalität: 3 von 5 Punkten
Nicht alles ist neu, viele Experimente finden sich auch in anderen Büchern – und damit meine ich natürlich nicht andere Bücher von Joachim Hecker. Für die guten Ideen bzw. Detailumsetzungen und einige wirklich einzigartige Experimente gibt es 3 Punkte.

Bonus/Malus: – 5 Punkte
Das ist dieses Mal echt schwierig, aber Strafe für die Titelmogelei muss sein. Auch hier ist ein Buch einfach unter neuem Namen erneut erschienen und in erster Linie nur kosmetisch verändert worden. Der Preis hat sich allerdings fast verdoppelt.

Gesamt: 27 Punkte

Fazit:
Wer das Buch „Noch mehr Experimente“ noch nicht besitzt, kann bedenkenlos zugreifen. Allen anderen kaufen nur einen Zwilling – und den auch noch für fast den doppelten Preis!
Ob die zehn neuen Exerimente genau die neuen Experimente sind, die damals schon bei der Neuauflage des ersten Buches angekündigt wurden, weiß ich leider nicht. Falls ja, wäre das Buch sogar eine 100-%-Kopie. Schade, diese Mogelei muss nicht sein. Man kann ein erfolgreiches Buch doch auch als neue Auflage gut verkaufen.