Stop Motion Animation – Kreative Filme mit LEGO®-Figuren

Bild: C. Krause

Passend zum Start des neuen LEGO®-Kinofilms kommt ein Buch auf den Markt, das sich den sogenannten Brick-Filmen widmet.
Bei Youtube findet man viele dieser kleinen Trickfilme, die mit LEGO®-Figuren gedreht wurden. Auch von LEGO® selber gab es vor vielen Jahren eine kleine Digitalkamera mit USB-Anschluss und Filmkulissen zum Aufbau von eigenen Filmsets.

Seitdem hat sich gerade in technischer Hinsicht sehr viel getan und das Trickfilmen ist viel einfacher geworden. Das vorliegende Buch möchte hier unterstützen.

Stop Motion Animation – Kreative Filme mit LEGO®-Figuren
von Alexander Altendorfer
183 Seiten
ISBN 978-3-8266-9722-7
ca. 20.- EUR

Dünner Start
Zu Beginn des Buches gibt es eine kurze Einführung zur Historie des Trickfilms und den Grundlagen der Stop-Motion-Technik. Das folgende Kapitel „Benötigtes Equipment“ könnte man mit den Worten zusammenfassen: Sie brauchen eine Kamera, ein Stativ, eine gleichbleibende Beleuchtung, einen PC und LEGO®-Steine. Ergänzend sei gesagt, dass auch kurz auf die Möglichkeit eingegangen wird, ein Smartphone und die dazugehörigen Apps für die Aufnahmen zu nutzen. Das wars.

Filmideen finden
Im nächsten Kapitel finden sich einige Beispiel für mögliche Filmthemen. Die wenigen Beispiele (mit Verweisen auf die Youtube-Quellen) sind aber definitv nichts für meine Kinder-Forscherkurse. Im Text tauchen aber auch Ideenboxen auf, die kurz mögliche Filmideen skizzieren. Insgesamt aber inhaltlich ziemlich dünn.

Grundsätzliches
Tja, das nächste Kapitel widmet sich den technischen Grundlagen des (Trick-)Filmens. Es geht in knappen Worten von Kameraeinstellungen, Tiefenunschärfe, Gestaltungsregeln bis zur Formatwahl. Leider finden sich nur wenige konkrete Empfehlungen, oft liest man den Satz „Probieren Sie aus, was Ihnen am besten gefällt“. Lediglich zur Auflösung und zur Frame-Rate gibt es konkretere Angaben. Aber auch hier wird gleich wieder aufgeweicht, eine Framer-Rate von „10 bis 15“ Bildern pro Sekunde ist mir einfach zu unkonkret.

Drehbuch, Storyboard und Set
Überraschung: Für einen Trickfilm erstellen Sie am besten vorher ein Drehbuch bzw. ein Storyboard mit Skizzen oder Szenenfotos. Ach ja, und bei der Vertonung und Dialogen müssen Sie auf das richtige Timing achten. Alles klar?
Und das nächste Kapitel fasse ich auch gleich zusammen: Sie brauchen ein Filmset mit Hintergrund und Beleuchtung (2 Schreibtischlampen!). Und halten Sie das Set schön sauber. Das ist natürlich ein wenig drastisch gekürzt beschrieben, aber so viel ist an Tipps bei mir hängen geblieben.

Jetzt geht’s los
Im Kapitel „Der Dreh“ geht es leider so weiter. Viel Oberflächliches, teilweise triviales Wissen zu Digitalkamerafunktionen, Drehen mit dem Smartphone und digitalen Spiegelreflexkameras wird erläutert. Nur den vermeintlich einfachen Tipp statt einer Kamerafahrt lieber das ganze Set zu verschieben fand ich wirklich nützlich.

Licht in der Mitte des Tunnels!
Auf Seite 94 dann für mich das Highlight im Buch: Die Umsetzung der Gehbewegung einer LEGO®-Figur wird sehr ausführlich beschrieben und mit Fotos illustriert. In der Vergangenheit war dies bei unseren LEGO®-Filmen eine der Hauptschwierigkeiten. Ich bin sehr gespannt, wenn wir die Tipps mal praktisch ausprobieren.

FX – Die Special Effects-Abteilung
Wie lässt man LEGO®-Figuren springen, fliegen und schweben? Hier kommt die Lösung: Sie bauen eine Halterung aus LEGO® und retuschieren sie dann nachher in jedem einzeln Foto wieder raus. Geht mit jedem Bildbearbeitungsprogramm das Ebenen beherrscht. Ist halt nur ein bisschen Arbeit bei den vielen Einzelbildern. Genial, da wäre ich nie drauf gekommen…
Es folgen Beschreibungen für Geistereffekte, Mundbewegungen, Feuerdarstellung und Wassereffekte. Hier gibt es ein paar nette Ideen.

Und wie wird ein Film draus?
Wie man mit dem PC aus Einzelbildern ein Film zusammenfügt wird anhand des (kostenlosen) Windows Movie Maker® vorgestellt. Wieder werden nur die einfachsten Funktionen wie Import, Framerate einstellen und Export rudimentär beschrieben. Lediglich bzgl. der Framerate gibt es paar Umrechnungstipps. In der gleichen Weise wird auch die Gratis-Software iMovie®  für die Mac-Besitzer behandelt. Das Kapitel schliesst mit dem Hinweis auf professionelle Trickfilmprogramme.
Auch das folgende Kapitel „Nachbearbeitung“ folgt diesem Muster: Ein Film entsteht durch das Zusammenschneiden von Filmsequenzen. Geht auch mit MovieMaker und iMovie. Sagenhafte News. Nützlich sind für mich lediglich die (paar) Links auf Archive mit kostenlosen Tonstücken zum Nachvertonen.

Filme für alle
Das Buch schliesst mit dem Veröffentlichen von Videos im Internet. Es folgen wieder banale Hinweise zu Facebook und Youtube und einem professionelleren Videoportal. Für die Ergebnisse aus meinen Kinderkursen ist dieses Thema aber nicht wichtig.

Hoffnungsvoll…
…habe ich auf das Kapitel „Quellen“ geschaut. Leider nur ein Witz: nur 5 Quellenangaben und die sind auch noch aus dem Buch wiederholt! Ich hatte auch auf eine Webseite zum Buch gehofft, mit Softwarelinks und den Links zu den angesprochenen Youtube-Videos. Wenn es eine geben sollte, habe ich den Hiweis wohl überlesen.

Zusammenfassung/Bewertung
Tja, wie bewerte ich dieses Buch? Ich habe schon einige Kinderkurse mit LEGO®-Trickfilmen gemacht und war richtig gespannt auf dieses Buch. Was bringt es mir also für die Vorbereitung meiner Kurse in Zukunft?

Materialaufwand: 4 von 5 (inkl. der Hinweise auf kostenlose Software)
Versuchsbeschreibung: 1 von 5 (zu triviale Infos)
Praxistauglichkeit: 1 von 5 (zu oft: „probier aus, was Dir gefällt“)
Erklärung: 2 von 5
Grafik/Fotos: 2 von 5 (zu viele Youtube-Links)
Alltagsbezug: 2 von 5
Originalität: 2 von 5 (naja, eben ein Brick-Film-Buch, und davon gibt es nur wenige)
Bonus/Malus: + 0 (siehe Fazit)
Gesamt: 14

Fazit: Ich war enttäuscht und hätte für die 20.- besser LEGO® gekauft.
Das Buch scheint mir für absolute Einsteiger bzgl. Digitalkamera und Videofilm geschrieben zu sein. Vertiefende Infos: Fehlanzeige. Vermisst habe ich auch konkrete Beispiele und konkrete Tipps. Und ich hätte mich auch über Hinweise zum Einsatz von Webcams mit der Snapshot-Funktion gefreut.
Vielleicht geben ja die Ideenboxen genug Impulse, sich an dem Thema LEGO®-Filme zu versuchen…